Kind macht Facepalm

Macht die HAZ jetzt Hatz auf Flüchtlinge?


Perlen des Lokaljournalismus

Leistet sich die HAZ tatsächlich in derselben Ausgabe gleich vier kapitale Schnitzer auf einmal? Darf man da noch von unglücklichen Verkettungen und Zufällen sprechen?

Titelseite HAZ vom 29.10.15
Schon auf der Titelseite am 29.10.2015 bedient die HAZ die Vorurteile „besorgter Bürger“ aufs Beste. „Jetzt wird es den ‚Krimigranten‘ endlich an den Kragen gehen.“

Schlagzeile im Lokalteil Hannover vom 29.10.15

Im Lokalteil Hannover wird der Anreisser vom Titel nochmal geringfügig variiert. Der flüchtige Betrachter, der „besorgte Bürger“ sieht sich sofort in seinen Vorurteilen bestätigt. Vor allem aber suggeriert die Überschrift, dass von Flüchtlingen eine besondere oder besonders hohe Kriminalität ausginge. Das ist nicht der Fall und wurde auch schon oft dokumentiert. Mit ein klein wenig Recherche hätte ein professioneller Journalist das herausfinden können. Aber aller schlechten Dinge sind drei und vier:

Wirtschaftsteil HAZ 29.10.15

Im Wirtschaftsteil holt die Redaktion noch mal zum Doppelschlag aus: Die Arbeitslosenzahlen werden steigen und die Flüchtlinge haben Schuld. Die Aussichten der Wirtschaft werden schlechter und die Flüchtlinge haben schon wieder Schuld. Das ist es, was diese Zeitung auf den ersten Blick vermittelt.

Dass der Inhalt dann in eine etwas andere Richtung geht, das bekommt der flüchtige Leser gar nicht mehr mit. Vor allem: Diese Überschriften erzeugen die Stimmung und Erwartungshaltung, mit der man einen Artikel aufnimmt. Und bei diesen Überschriften, und dieser Häufung, wird es keine offene und positive Haltung sein. Mit solchen Überschriften wird Angst erzeugt. Zufall?

Titelbild Generalanzeiger vom 16.09.15
Titelbild Generalanzeiger via mediapreneure.de

Damit reiht sich die HAZ in eine Riege journalistischter Fehlleistungen ein. Im September vergisst der Generalanzeiger sein Layout zu kontrollieren und platziert Gas neben Asyl. Weitere Flüchtlinge kämen in die Region und schon bald soll das Gas wieder strömen. Da muss man sich schon fragen, wer heutzutage die Zeitungen eigentlich macht und verantwortet. Ausgebildete Journalisten wohl eher nicht. So sieht es dann aus, wenn am falschen Ende gespart wird: An der Bildung und am Personal.

Titel des Tagesspiegel erklärt Flüchtlingskrise zur Chefsache zusammen mit Bild von Hitler
Titelbild Tagesspiegel via mediapreneure.de

Und Anfang diesen Monats leistet sich dann der Tagesspiegel einen kapitalen Schnitzer. Die „Flüchtlingskrise“ wird zur Chefsache erklärt und das Bild zeigt, wer hier der „Chef“ sein könnte. Dabei muss man schon den Ausdruck „Flüchtlingskrise“ kritisch hinterfragen, weil damit zugleich eine Schuldzuweisung vorgenommen wird. Tatsächlich aber entstehen die meisten Probleme in der Bewältigung des Andrangs durch Bürokratieversagen.

Immerhin waren die letzten beiden Pannen noch bis zu einem gewissen Maß unfreiwillig komisch. Die Blätter zogen Hohn und Spott auf sich. Das sollte den Redaktionen eine Lehre gewesen sein. Und der Tagesspiegel hat sich sofort zu seinem Fehler bekannt und entschuldigt.

Die HAZ will aber scheinbar den Beweis antreten, dass man auch mit mehr Text, weniger Bildern und höheren Preisen durchaus das Niveau von Bild und Focus erreichen kann.

Wie man journalistisch richtige Überschriften macht, kann man bei den Mediapreneuren nachlesen, von denen auch die Bilder der Pannen bei Generalanzeiger und Tagesspiegel stammen.

Update

Warum die HAZ nicht sensibler mit diesem Thema umgeht, bleibt ein Rätsel. Dabei fördert schon die einfachste Suche mit einer handelsüblichen Suchmaschine die Fakten zutage. Hier beginnt die Dokumentation zu falschen Vorurteilen gegenüber Flüchtlingen.

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2 Gedanken zu “Macht die HAZ jetzt Hatz auf Flüchtlinge?

  1. wer glaubt. die flüchtlinge lassen sich durch grenzen oder stacheldrähte aufhalten, der ist naiv und dumm. die deutsche wohlstandsgesellschaft, die auf kosten anderer zu ihrem wohlstand gekommen ist, wird sich verändern, ob sie dies will oder nicht. die zeiten des friedens sind nun vorbei. in diesen tagen werden die entwicklungen die welt verändern. europa muss seine komplizenschaft mir den usa überdenken, seine politik zu lasten der ärmeren aufgeben und von seinem wohlstand an die armen abgeben. ein weiter so wird nicht mehr möglich sein.

    was bringt uns die zukunft? sicher ist, “die fetten jahre” und die zeiten des friedens sind vorbei. in diesen tagen werden die entwicklungen die welt verändern, die sich schon so sehr verändert hat. der globalisierung von handel und finanzen folgt jetzt die globalisierung der folgen von kriegen und elend. die reichen wohlstandsnationen können den strom der imigranten nicht mehr, wie bisher, per abschottung ausbremsen. es kommen immer mehr.
    https://campogeno.wordpress.com/2015/10/17/die-fetten-jahre-und-die-zeit-des-friedens-sind-vorbei/

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