Kind hinter Zaun

TV-Tipp: Homs – ein zerstörter Traum

Filmplakat Homs - ein zerstörter Traum
© Ventana Film- und Fernsehproduktion

Sonntag früh (01.11.2015) um 00:35 Uhr zeigt der MDR noch einmal den Dokumentarfilm „Homs – ein zerstörter Traum“.

Die vielbeachtete und mehrfach preisgekrönte Dokumentation nimmt den Zuschauer mit zu den Anfängen des Bürgerkriegs in Syrien. Er zeigt, wie aus friedlichen Protesten gegen das Regime des Machthabers Baschar al-Assad der Bürgerkrieg wurde, der bis heute Flüchtlinge zu uns treibt. Die Kamera begleitet den zu Beginn 19-jährigen syrischen Fußballstar Baset, zeigt seine Entwicklung vom Demonstranten zum Widerstandskämpfer.

Warum sollte ich mir diesen Film ansehen?

Die Bilder sind zum Teil grausam. Es ist nicht heroisches, wie wir es aus Hollywood gewohnt sind. Erschöpfung, Verzweiflung – aber wir können die Entwicklung verfolgen, mitfühlen und mitleiden. Der Film ist ein Stück Arbeit für ein besseres Verständnis.

Mehr Informationen zum Film bei Ventana Film- und Fernsehproduktion und Wikipedia.

Kind macht Facepalm

Macht die HAZ jetzt Hatz auf Flüchtlinge?

Perlen des Lokaljournalismus

Leistet sich die HAZ tatsächlich in derselben Ausgabe gleich vier kapitale Schnitzer auf einmal? Darf man da noch von unglücklichen Verkettungen und Zufällen sprechen?

Titelseite HAZ vom 29.10.15
Schon auf der Titelseite am 29.10.2015 bedient die HAZ die Vorurteile „besorgter Bürger“ aufs Beste. „Jetzt wird es den ‚Krimigranten‘ endlich an den Kragen gehen.“

Schlagzeile im Lokalteil Hannover vom 29.10.15

Im Lokalteil Hannover wird der Anreisser vom Titel nochmal geringfügig variiert. Der flüchtige Betrachter, der „besorgte Bürger“ sieht sich sofort in seinen Vorurteilen bestätigt. Vor allem aber suggeriert die Überschrift, dass von Flüchtlingen eine besondere oder besonders hohe Kriminalität ausginge. Das ist nicht der Fall und wurde auch schon oft dokumentiert. Mit ein klein wenig Recherche hätte ein professioneller Journalist das herausfinden können. Aber aller schlechten Dinge sind drei und vier:

Wirtschaftsteil HAZ 29.10.15

Im Wirtschaftsteil holt die Redaktion noch mal zum Doppelschlag aus: Die Arbeitslosenzahlen werden steigen und die Flüchtlinge haben Schuld. Die Aussichten der Wirtschaft werden schlechter und die Flüchtlinge haben schon wieder Schuld. Das ist es, was diese Zeitung auf den ersten Blick vermittelt.

Dass der Inhalt dann in eine etwas andere Richtung geht, das bekommt der flüchtige Leser gar nicht mehr mit. Vor allem: Diese Überschriften erzeugen die Stimmung und Erwartungshaltung, mit der man einen Artikel aufnimmt. Und bei diesen Überschriften, und dieser Häufung, wird es keine offene und positive Haltung sein. Mit solchen Überschriften wird Angst erzeugt. Zufall?

Titelbild Generalanzeiger vom 16.09.15
Titelbild Generalanzeiger via mediapreneure.de

Damit reiht sich die HAZ in eine Riege journalistischter Fehlleistungen ein. Im September vergisst der Generalanzeiger sein Layout zu kontrollieren und platziert Gas neben Asyl. Weitere Flüchtlinge kämen in die Region und schon bald soll das Gas wieder strömen. Da muss man sich schon fragen, wer heutzutage die Zeitungen eigentlich macht und verantwortet. Ausgebildete Journalisten wohl eher nicht. So sieht es dann aus, wenn am falschen Ende gespart wird: An der Bildung und am Personal.

Titel des Tagesspiegel erklärt Flüchtlingskrise zur Chefsache zusammen mit Bild von Hitler
Titelbild Tagesspiegel via mediapreneure.de

Und Anfang diesen Monats leistet sich dann der Tagesspiegel einen kapitalen Schnitzer. Die „Flüchtlingskrise“ wird zur Chefsache erklärt und das Bild zeigt, wer hier der „Chef“ sein könnte. Dabei muss man schon den Ausdruck „Flüchtlingskrise“ kritisch hinterfragen, weil damit zugleich eine Schuldzuweisung vorgenommen wird. Tatsächlich aber entstehen die meisten Probleme in der Bewältigung des Andrangs durch Bürokratieversagen.

Immerhin waren die letzten beiden Pannen noch bis zu einem gewissen Maß unfreiwillig komisch. Die Blätter zogen Hohn und Spott auf sich. Das sollte den Redaktionen eine Lehre gewesen sein. Und der Tagesspiegel hat sich sofort zu seinem Fehler bekannt und entschuldigt.

Die HAZ will aber scheinbar den Beweis antreten, dass man auch mit mehr Text, weniger Bildern und höheren Preisen durchaus das Niveau von Bild und Focus erreichen kann.

Wie man journalistisch richtige Überschriften macht, kann man bei den Mediapreneuren nachlesen, von denen auch die Bilder der Pannen bei Generalanzeiger und Tagesspiegel stammen.

Update

Warum die HAZ nicht sensibler mit diesem Thema umgeht, bleibt ein Rätsel. Dabei fördert schon die einfachste Suche mit einer handelsüblichen Suchmaschine die Fakten zutage. Hier beginnt die Dokumentation zu falschen Vorurteilen gegenüber Flüchtlingen.

Plakat "No" auf Demonstration

Demo gegen die Verschärfung des Asylgesetzes

Das „Bündnis für bedingungsloses Bleiberecht Hannover“ ruft zur Demonstration gegen die Verschärfung durch das „Asylverfahrensbeschleunigungsgesetz“auf.

Freitag, 30.10.2015 um 17 Uhr, Steintor Hannover

In schneller Folge werden jetzt Gesetze durchgepeitscht, die nicht nur die Menschenwürde gefährden. Auch aus ganz praktischer Sicht sind viele Verschärfungen unsinnig und kontraproduktiv. So bringt die Umstellung auf Sachleistungen einen erheblichen Mehraufwand, vor allem in der Verwaltung, mit sich. Und im Moment ist es ja nicht gerade so, dass die Verwaltung zu viel freie Zeit hätte.

Die Ausweitung der Residenzpflicht und der Zwang, künftig bis zu sechs Monaten in der Erstaufnahmeeinrichtung bleiben zu müssen, behindern Integration und Arbeitsaufnahme erheblich.

Mehr Argumente gegen die Verschärfung und der Demoaufruf im Wortlaut gibt es beim Flüchtlingsrat Niedersachsen zu lesen.

Logo Gemeindebrief VorOrt Linden-Limmer

Flüchtlingen helfen – was bringt mir das?

Für die nächste Ausgabe des Gemeindebriefes VorOrt 83 sammelt die Redaktion von den Engagierten in der Arbeit mit Flüchtlingen und Einwanderern Erfahrungsberichte zum Thema „Helfen tut gut!„.

Schreibt uns 2, 3 Zeilen unter dem Motto „Helfen tut mir gut, weil…

Vielen Dank für Ihre und Eure Mitarbeit. Und seid gespannt auf das nächste VorOrt!